Die Wichtigkeit von Poesie in unserem Leben

Die Poesie, bzw. „die Dichtung“, ist ein Begriff aus dem Griechischen und bezeichnet die Kunstart, die mit Phantasie die Ausdrucksmöglichkeiten der Sprache einsetzt, um dem Zuhörer oder Leser Lebenserfahrungen näher zu bringen.

Gedichte sind für unser Menschsein von enormer Wichtigkeit. Poesie ist wie ein Duft, der sich verflüchtigt und dabei in unserer Seele die Essenz der Schönheit zurücklässt. Sie bewegt den Menschen und ‚veredelt das Verhalten von Mann und Frau‘.
Der Mensch, welcher das Leben bloß mit dem Verstand, ohne innere Poesie genießt, wird Mageres behalten. (von Joh. P. F. Richter 1763-1825)

 

Poesie ist Wahrheit, die in schöner Sprache wohnt

Wir sehen heute einen dramatischen Verfall unserer Sprache. Viele verwechseln die Quantität der gebrauchten Worte mit der den Worten innewohnenden Qualität. Wer kann denn noch abstrakte Gedanken übermitteln und innere Vorgänge ausdrücken? Die Sprache der Poesie kann neue Gedankenräume erschaffen und neue Arten des Denkens und Fühlens ausdrücken.

Die Wichtigkeit von Poesie in unserem Leben
Copyright Canva.com – Wer kann heute noch Gefühle poetisch ausdrücken?

Eine deutsche Literaturkritikerin hat einmal gesagt: „Als ich angefangen habe, über das Leben nachzudenken, haben mir die Worte gefehlt.“ Wenn wir die Worte und eine nuancierte Sprache verlieren, dann werden wir nicht mehr über eine Welt außerhalb der sichtbaren Realität nachdenken können.

Ein gutes Gedicht besitzt eine „innere Schönheit“

Gedichte haben die Möglichkeit, zwischen den Worten einen Blick auf das zu erhaschen, was sich durch Sprache nicht mehr ausdrücken lässt. Sie können auch feinste Nuancen ansprechen und, was noch wichtiger ist, Dinge andeuten, die man nicht mehr aussprechen, aber durch die Kraft ihrer Worte nachempfinden kann.

Gedichte setzen Dinge zueinander in Beziehung, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, aber für einen Augenblick zueinander sprechen können. Deshalb erscheinen sie manchmal unlogisch, sie scheinen sich zu wiederholen und schwer fassbar zu sein.

 

Spätes Leuchten ist gesungene Poesie

Der kosmopolitische österreichische Künstler und Poet Andre Heller ist ein sprechsingender Poet. 35 Jahre nach seinem letzten Album kehrt Heller zu seinen Wurzeln als Liedermacher zurück und lancierte soeben das Album „Spätes Leuchten“. Es sei eine Lebensbilanz, sagt er.

Die Wichtigkeit von Poesie in unserem Leben
Copyright André Heller

 

Eines der wichtigsten Lieder auf diesem Album ist das Lied „Es gibt“. Es ist eine Beschreibung von allem, was das Leben zu bieten hat. Heller zieht Bilanz von dem, was ihm im Leben wichtig war, was ihn berührt hat und was ihn abstieß. Das beinhaltet eine Ansammlung von Alltäglichkeiten des Schreckens und der Freude, sagt Heller. Das Album motiviert zum Nachdenken über die eigene Geschichte, die schönen und hässlichen Momente und die Merkwürdigen.

 

Songtext: „Es gibt

Und es gibt Tage voller Lachen aus nichts als Kinderseligkeit
Und dann die Bilder von Hiroshima, die Abgründe aus Leid
Es gibt den Lärm der Spielcasinos, doch auch die Mozartsymphonien
Und dann die Schönheit Ava Gardners noch kurz vor dem Ruin
Und es gibt die Kathäuser Mönche, die schweigen müssen bis zum Tod
Und jemand bettelt unter Tränen um Erlösung aus der Not
Es gibt die Zirkusakrobaten, mit ihren Muskeln wie aus Stahl
Und es gibt Tanzende im Spiegelsaal

Es gibt das Fell des Panters und das Taj Mahal
Es gibt die Astronauten auf dem Flug ins All
Es gibt Gedichte, die man wirklich nie vergisst
Und eine fordert: „Sag mir endlich, wer Du bist.“

Es gibt Vulkane und es gibt im Leinenhemd den Riss
Es gibt die Schlangen und es gibt den Schlangenbiss
Es gibt im Herbst die Blätterwunder jedes Jahr
und soviel Furcht und Wut
Und einen Freund, der dich verrät und schmäht
und du bist sprachlos

Es gibt es gibt es gibt es gibt Dein brennendes Verlangen
Nach Würde und Geborgenheit, nach Zärtlichkeit und Frieden
Es gibt es gibt es gibt die Hoffnung auf die Freude
Und die Gewissheit, nie genug lieben zu können
Und Liebe, Liebe, Liebe ist bedingungslos

Und es gibt Wiener Schattenszenen in dem Film ‚Der dritte Mann‘
Und es junge Menschen, die man billig kaufen kann
Und es gibt’s nachts die schnellen Züge unterwegs nach Bogota
Und ein verlassener Bub ruft immerzu ‚Mama, Mama!‘

Es gibt den Kasperl, es gibt das Krokodil
Es gibt so viel ‚zu wenig‘ und so viel ‚zu viel‘
Es gibt die Nachtigall und es gibt am Weg den Stein
Es gibt das Scheinen und glaub mir, es gibt das Sein
Und es gibt Fremde, denen man sofort vertraut
Und einen Blinden, der in alle Herzen schaut

Es gibt den Schaum der Meere, Flut und Ebbe und einen springenden Delfin
Und jemand ruft ‚Hurra, der Krieg ist aus!
Wir gehen nach Haus, endlich, endlich nach Haus!‘
Es gibt, es gibt ein brennendes Verlangen
Nach Würde und Geborgenheit, nach Zärtlichkeit und Frieden
Es gibt, es gibt, es gibt, es gibt
Die Hoffnung auf die Freunde und die Gewissheit
Nie genug lieben zu können
Und Liebe, Liebe, Liebe ist bedingungslos

Lied „Es gibt“: https://www.youtube.com/watch?v=IYRGRZNx9Fg

Andre Heller im Lexikon der österreichischen Popmusik.