Home Work für unsere Eltern und Großeltern

Durch die Ausbreitung dieses schrecklichen Covid19 Virus wird vor allem das Leben der älteren Menschen unserer Gesellschaft stark beeinträchtigt. Die Reduktion von sozialen Kontakten und der Appell, zu Hause zu bleiben, ruft in unseren Eltern und Großeltern Ängste und Unbehagen hervor.

Wir hören immer wieder in den Medien, dass eine Tagesstruktur hilft, die kommenden Wochen in den eigenen vier Wänden sinnvoll und angenehm zu gestalten.

Unsere Gesellschaft ist extrovertiert, wir sind im Berufs- und Privatleben intensiv nach außen orientiert. Es gibt viele Ablenkungsmöglichkeiten und wir können (theoretisch) jede Stunde des Tages draußen verbringen. Auch wenn wir durch Altersbeschwerden, Behinderungen oder Krankheiten physisch oder mental eigentlich ‚nicht können‘. Allein der Gedanke, dass man dürfte, wenn man könnte, gibt Menschen ein Gefühl der Sicherheit und Autonomie.

Wir sind auf die Einschränkungen, die man uns derzeit auf-oktroyiert, nicht vorbereitet. Trotzdem gibt es zahlreiche Aktivitäten, die man innerhalb der eigenen 4 Wände tun kann. Eines ist dabei wichtig: die eigene ‚positive‘ Einstellung.

Wie sieht diese positive Einstellung aus?

Wenn man sich Ängsten und emotionalen Belastungen hingibt, wird man traurig und krank. Wenn man die Situation annimmt und einen Beitrag für die Gesellschaft leisten möchte, nämlich sich selbst und andere zu schützen, braucht man einen Plan.

Wie sieht dieser Plan aus?

Tun, was Spaß macht: ein kleines Projekt, wie das Fotoalbum für die Enkel zusammenstellen, den Kleiderschrank neu sortieren, eine Yoga-Übung ausprobieren. Alles, was dem Tag Abwechslung in Ablauf und Struktur gibt, macht Sinn.

Meditieren zuhause – Foto: Canva.com

Oft reicht es, das Fenster oder die Balkontüre zu öffnen, sich auf einen Lieblingsplatz zu begeben, Körper und Geist herunterzufahren, in sich zu ruhen und neue Kraft zu tanken. Verschiedene Atemtechniken ausprobieren, Pilates praktizieren. Viele alternative Methoden helfen dabei, unruhige Gedanken zu unterbrechen und dadurch freie Kapazitäten zu finden. Auch bei erhöhtem Stresslevel kann man sich gedanklich Auszeiten gönnen. Es ist wichtig, auf gesunde Ernährung zu achten und nicht eine Pralineschachtel nach der anderen in sich hineinzustopfen. Ein positives Herangehen an die Ist-Situation wird älteren Menschen zugutekommen.

Frühjahrs-Autoputz – Foto: Canva.com

Was passiert, wenn ich mich nicht ablenke?

Beschäftigt man sich nur mit negativen Gedanken, reduziert das die Widerstandskraft. Man hat dann weniger Kapazitäten, um mit dem inneren Druck und Stress umzugehen und das ist schlecht fürs Immunsystem. Ich glaube, SeniorInnen haben es durch ihre Lebenserfahrung leichter, gefasst zu bleiben. Vermitteln Sie Ihren Eltern und Großeltern, dass sie in ihrem Umgang mit der Isolation ein großes Vorbild für die junge Generation sind.

Welche psychologischen Tipps gibt es für SeniorInnen?

Je kleiner das soziale Netz ist, desto mehr sollte man es pflegen. Sollten Ihre Eltern und Großeltern kein Tablet haben, kaufen sie ihnen eines. Ermöglichen Sie den Kontakt via Facetime oder Skype, installieren Sie Videotelefonie-Software und schreiben Sie eine ganz einfache Anleitung. SeniorInnen, die noch nie videotelefoniert haben, werden den visuellen Kontakt zu ihnen lieben. Es gibt immer jemanden, mit dem man plaudern kann; zur Abwechslung eben nicht im Kaffeehaus, sondern telefonisch.

Plaudern Sie mit Ihren Eltern und Großeltern

… und empfehlen Sie ihnen, mit alten Freunden, den Kindern, den Enkeln, den Nachbarn, den FreundInnen aus dem Sportverein Kontakt aufzunehmen.

Videotelefonie am Smartphone und Tablet geht ganz einfach und am geläufigsten sind die kostenlosen Applikationen (via App-oder Play Store zum Herunterladen) WhatsApp oder Facetime (für iPhone, iPad oder iPod touch).

Regelmäßig mit den Kindern und Enkeln videotelefonieren lockert den Tag auf – Foto: Canva.com

– Wer einen Echo-Lautsprecher mit Amazons Sprachassistentin Alexa besitzt, kann auch auf diese Weise videotelefonieren. Man kann Alexa ganzen Tag befragen, nach dem Wetter, nach Rätseln, wissenswerten Informationen. Ältere Menschen bekommen das Gefühl, dass eine vertraute Person im Haus ist. Trotz aller Bedenken rund um die Verletzung der Privatsphäre, ein ‚Gespräch‘ mit Alexa ist besser als kein Gespräch.

Bilden Sie sich weiter

– Für kulturbegeisterte Menschen gibt es wunderbare virtuelle Museumstouren. In der virtuellen Google Arts & Culture collection kann man entspannt durch die Uffizien in Florenz, das Munch Museum in Oslo oder das British Museum in London spazieren.

– Manche Künstler und Kultur-Betriebe streamen ihre Auftritte direkt in unser Wohnzimmer. Die Vorstellungen der Berliner Staatsoper Unter den Linden oder zahlreicher Opernhäuser, wie der Wiener Staatsoper, die in den letzten Wochen vor leeren Rängen stattgefunden haben, werden nun nach und nach im Fernsehen oder im Internet gezeigt.

– Lernen Sie ein Musikinstrument. Hier kommen YouTube-Tutorials wie gerufen. Flöte, Ukulele, Klavier – vielleicht haben ihre Eltern oder Großeltern ein Musikinstrument zuhause, das sie schon lange nicht mehr in der Hand gehabt haben. Raten Sie dazu, die Musikkenntnisse durch Tutorials aufzufrischen.

– Hörbücher (etwa über Audible) oder Podcasts (etwa über Podbean, Apple Music oder spotify) sind wunderbare Gedankenbegleiter. Wir empfehlen das Hörbuch „Factfulness – Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist„, inspirierende TED-Talks (als Podcast oder auf YouTube), oder den Podcast „Leben für Fortgeschrittene“.

Ausmisten und Ordnung schaffen

– Der Frühling steht vor der Tür und er bringt jede Menge Aufgaben mit sich. Kleiderschrank neu sortieren, Winterjacken im Keller verstauen, den Balkon herrichten, Pflanzen abstauben, die Wohnung dekorieren. Empfehlen Sie ihren Lieben, Ihnen Anleitungen mittels Sprachmemo App aufzusprechen. Das können Tipps zum Anpflanzen von Gemüse und Blumen sein, wie man Obstbäume im Frühjahr richtig schneidet, etc. Sie werden diese Audio-Anleitungen lieben, wenn Ihre Eltern und Großeltern nicht mehr da sind, weil Sie noch lange ihre Stimme hören können.

Ausmisten und neu einräumen. Foto: Canva.com

Filme und TV Serien schauen

Natürlich lockt auch das große On-Demand-TV-Angebot. Wir empfehlen:

Grace and Frankie: Kürzlich erst ist die 6. Staffel „Grace and Frankie“ erschienen. Wenn die 80-Jährige Jane Fonda mit der ebenfalls 80-Jährigen Lily Tomlin debattiert, ist gute Stimmung garantiert.

The Kominsky Method: Michael Douglas und Alan Arkin mimen in der Serie „The Kominsky Method“ beste Freunde. Neben tiefgründigen Gesprächen finden sie aber auch reichlich Zeit zum Arbeiten, für lockere Liebeleien und auftauchende Alterserscheinungen.

Man lernt nie aus / The Intern: Die junge New-Yorker Start-up-Gründerin Jules (Anne Hathaway) stellt den 70-Jährigen Ben (Robert de Niro) im Rahmen eines Intergenerationenprojektes als Praktikanten ein. Dieser unterstützt Jules mit seiner langjährigen Berufserfahrung und Lebensweisheit