Mit Enttäuschungen umgehen lernen

Die größten Enttäuschungen haben ihren Ursprung in zu großen Erwartungen, sagte der Schriftsteller Ernst Ferstl. Egal, aus welchem Grund Sie enttäuscht sind, es fällt oft schwer, damit umzugehen. Wir haben uns das Thema ‚Enttäuschungen‘ angesehen und möchten Ihnen Tipps geben, Enttäuschungen zu verstehen und zu verarbeiten.

Was ist eigentlich eine Enttäuschung?

Wir können nicht alles um uns herum umfassend wahrnehmen, sonder nur selektiv (weil sonst zu viele Reize auf einmal verarbeitet werden müssten, das hält unser Gehirn nicht aus); Daher bauen wir in unserer Vorstellung ein bestimmtes Bild, das von diversen Faktoren beeinflusst wird, beispielsweise unseren bisherigen Erfahrungen. Enttäuschungen sind ein Zeichen dafür, dass etwas anders ist, als wir es uns vorgestellt haben.

Weil nicht alles so passieren kann, wie wir es uns wünschen – nach dem Motto „Das Leben ist kein Ponyhof“ – werden wir oft mit dieser Situation konfrontiert. Enttäuschungen sind unangenehm. Klar kann es noch den Versuch geben, die Gefühle, die mit Enttäuschungen einher gehen, zu unterdrücken. Der/m einen gelingt das besser, der/dem anderen schlechter.

Aber irgendwann suchen sich die Gefühlen einen Weg an die Oberfläche, sei es anhand von Gefühlsausbrüchen oder psychosomatischen Problemen. Wenn wir uns Enttäuschungen schon nicht entziehen können, dann können wir aber zumindest schauen, dass wir einen gesunden Umgang mit ihnen finden.

Bewahren Sie Ruhe

Manchmal dauert es Wochen oder sogar Monate, bis man eine Enttäuschung verarbeitet hat. Das hängt natürlich davon ab, wie schwerwiegend man enttäuscht wurde. Oberstes Gebot: Ruhe bewahren. Eine Tasse Tee trinken. Oder einen Eierlikör. Legen Sie Musik ein, die Sie entweder zum Lachen bringt oder anderweitig total ablenkt. Werfen Sie einen bereits angeknacksten Teller auf den Boden. Rufen Sie eine gute Freundin an und reden Sie über Ihre Enttäuschung. Tun Sie das, was Sie emotional am ehesten erdet. Ruhe bewahren kann emotional anstrengend sein. Das muss man trainieren.

Enttäuschungen wegatmen – Foto von Max van den Oetelaar auf Unsplash.com

Seien Sie selbstkritisch und kritikfähig

Suchen Sie die Schuld nicht ausschliesslich bei den Anderen. Um Enttäuschungen möglichst schnell zu überwinden, ist es wichtig, dass man sich immer wieder selbst hinterfragt.

Orientiere Sie sich dazu an folgenden Fragen:

  • Wieso bin ich enttäuscht?
  • Habe ich etwas falsch gemacht?
  • Habe ich meine Erwartungen an mich selbst nicht erfüllt?
  • Wie kam die Situation bei meinem Gegenüber an? Könnte er/sie die Situation ganz anders verstanden haben?

Wer sich leicht angegriffen fühlt, wenn man kritisiert wird, verpasst die Chance, sich weiterzuentwickeln. Sind mehrere Außenstehende der Meinung, dass Sie einen Fehler gemacht haben, sollten Sie Ihre eigene Einstellung noch mal überdenken.

Reden Sie drüber

Enttäuschungen lassen sich leichter überwinden, wenn Sie mit Freunden sprechen. Kommunikation heitert auf – es ergeben sich ganz neue Denkstrukturen. Eine unerfreuliche Situation zeigt sich plötzlich aus einem ganz anderen Blickwinkel. Das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, hat zusätzlich positive Auswirkungen aufs Selbstbewusstsein.

Wenn Sie von einer nahestehenden Person enttäuscht wurden, ist es ratsam, diese Person darauf anzusprechen. Das ist manchmal sehr schwer. Manchmal ist man so gekränkt, dass man den Willen zum Gespräch nicht aufbringen kann. Keiner weiss das besser als ich, weil ich sehr nachtragend bin. Manchmal müssen wir dann eben etwas mehr Zeit vergehen lassen, bis wir uns der Situation stellen. Nur ungelöst sollte so eine Situation nicht sein, denn dann begleitet sie uns – aus Erfahrung – ein Leben lang.

Wer sich der Situation und Person stellt, die einen enttäuscht hat, kann man zusammen nach einer Lösung suchen, anstatt hinter dem Rücken Vorwürfe herumzuposaunen. Der Tipp hier: Sachlich bleiben und Ihr Gegenüber zu Wort kommen lassen.

Lassen Sie Ihre schlechte Stimmung ruhig zu

Es ist völlig normal und verständlich, dass man nach einer Enttäuschung schlecht gelaunt ist. Lieber der schlechten Stimmung freien Lauf lassen – damit sie umso schneller wieder vorbei ist – als so zu tun, als sei nichts gewesen. Das macht den Schmerz nur schlimmer und es fällt schwerer, mit dem Thema abzuschließen.

Allerdings man nicht monatelang schlecht gelaunt sein und seinen Mitmenschen anjammern. Entwickeln Sie sich nicht zum ‚Dauermeckerer‘.

Lenken Sie sich ab

Versuchen Sie nicht, die ganze Zeit darüber nachzudenken, wie enttäuscht Sie sind. Lenken Sie sich ab, indem Sie etwas meditatives tun. Meditation ist super – und so einfach zu lernen. Hier eine Anleitung via youtube (Link). Schaffen Sie Platz für neue Gedanken. Oder kochen Sie Ihr Lieblingsgericht. Schauen Sie sich Ihre Lieblingsserie im Fernsehen an.

Lernen Sie zu verzeihen

Nur so können Sie selbst mit dem Thema abschließen. Verzeihen ist nicht einfach, besonders wenn die Enttäuschung noch ganz frisch ist. Gerade der Psyche tut es gut, wenn man nicht nachtragend ist, keine Rachegedanken spinnt oder sich in negativen Gefühlen vergräbt.

Lernen Sie Enttäuschungen zu akzeptieren

Gerade, wenn die Dinge nicht so laufen, wie man es sich vorgestellt hat, bringt es nichts, sich wochen- oder monatelang Vorwürfe zu machen. Die Entscheidungen der Vergangenheit kann man sowieso nicht rückgängig machen. Meine Mutter sagte zum Thema immer den Spruch: Nach dem Regen braucht man keinen Schirm. Daher lieber die Situation so akzeptieren, wie sie ist und lernen, damit umzugehen.

Aus den Enttäuschungen des Lebens Schlüsse ziehen

Sehen Sie Enttäuschung als Chance an, sie beim nächsten Mal zu vermeiden. Versuchen Sie genau zu analysieren und zu definieren, wovon Sie enttäuscht wurden. Überlegen Sie, was Sie selber verändern können, um nicht nochmal in diese Situation zu kommen.

Das Vorbeugen von Enttäuschungen

Enttäuschungen vorzubeugen ist eine Herausforderung. Viele Situationen sind nicht vorhersehbar. Wer sich aber an die folgenden Punkte hält, wird weniger desillusioniert in eine Situation gehen oder daraus herausgehen.

Keine zu hohen Erwartungen haben

Dieser Punkt hilft dabei, Enttäuschungen gar nicht erst zuzulassen. Man kann sich persönliche Ziele stecken, allerdings sollten diese immer im Rahmen der eigenen Möglichkeiten sein. Ansonsten entsteht zu hoher Druck und Stress. Perfektionismus ist auch nur in Maßen gesund und gerade in zwischenmenschlichen Beziehungen unangebracht. Wird der innere Zwang zu stark, ist das ungesund.

Reden, reden, reden

Aussprechen, was am Herzen liegt oder was unter den Nägeln brennt. Dann schwindet die emotionale Belastung.

Wenn Sie z.B. bestimmte Erwartungen an einen Abend mit Freunden haben, sollten Sie ihnen das im Voraus mitteilen. Dann wissen alle Bescheid, worauf sie sich einstellen können und müssen nicht auf Eierschalen gehen, um herauszufinden, ob Sie zufrieden sind. Klare Worte sind hier der Schlüssel zum Erfolg.

Erkennen Sie falsche Versprechen

Es gibt leider immer wieder Menschen, die nicht zu ihrem Wort stehen. Je besser man jemanden kennt, desto eher kann man einschätzen, ob eine Person ehrliche Versprechen gibt oder nicht. Übergib wichtige Aufgaben nur an zuverlässige Menschen. Das erspart eine Menge Ärger und Enttäuschungen.

Tipps, um andere nicht zu enttäuschen

Nicht unter Druck setzen

Setzen Sie andere nicht unter Druck, sondern kümmern Sie sich vorrangig um Ihre eigenen Angelegenheiten. Andere Menschen sind womöglich nicht so ambitioniert oder leidenschaftlich interessiert an Dingen wie Sie. Wenn man Menschen immer wieder kritisiert oder ‚triezt‘, führt das zu Stress und bei Misserfolgen zu Enttäuschungen.

Bedürfnisse erkennen und so Enttäuschungen verhindern – Foto Sebastián-León-Prado-on-Unsplash.com

Bedürfnisse erkennen

Hören Sie Ihrem Umfeld aufmerksam zu. Dann erkennen Sie eher, was für Ihre Familie, Freunde und Bekannten wichtig ist. Dann offenbart sich, welche Bedürfnisse nicht erfüllt wurden und wenn der andere sich gekränkt hat. Oftmals lassen sich dadurch Enttäuschungen auch vorbeugen oder leichter auflösen.