Oma allein zu Haus? Nicht an Weihnachten!

Weihnachten ist ein Familienfest. Doch viele ältere Menschen verbringen den 24. Dezember oder sogar die kompletten Feiertage allein. Die Gründe, weshalb Menschen allein an Weihnachten sind, sind vielfältig. Der Weg zur Familie ist zu weit. Oft haben ältere Menschen zwar eine Familie, doch der Kontakt zu Kindern und Enkeln ist abgebrochen.

Ein weiterer Grund für die Einsamkeit ist oft der Verlust des Partners. In vielen Fällen haben die Kinder längst eigenen Nachwuchs und kommen nur am ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag zu Besuch. Wenn überhaupt.

Es gibt natürlich auch Menschen, die mit Weihnachten nichts anfangen können, aber trotzdem nicht allein bleiben möchten.

Die Tage zwischen Heiligabend und Silvester werden medial vorwiegend von Geselligkeit bestimmt. Doch der Gedanke: „Jetzt muss ich in Gesellschaft sein“, bedrückt. Vor allem an Weihnachten.

Viele Alleinstehende werden sich zu Weihnachten ihrer Einsamkeit besonders schmerzhaft bewusst. Um mit diesen Gefühlen umzugehen, gibt es kein Patentrezept.

 

Es gibt aber mehrere Möglichkeiten, mit dem Alleinsein an Weihnachten umzugehen:

1. Gehen Sie aus

Nicht lange nachdenken, einfach rausgehen und Leute treffen. Auch an Heiligabend gibt es zahlreiche Veranstaltungen, die zu einem Besuch einladen. Das kann ein Konzertbesuch sein oder ein Gottesdienst mit anschließender Feier. Es lohnt sich, das Programm von Sozialverbänden, Seniorenheimen und anderen Veranstaltern vor Ort durchzuforsten.

2. Verreisen Sie

Es gibt spezielle Reiseangebote für Senioren zu Weihnachten. Dort trifft man Gleichgesinnte und ist fernab des alltäglichen Umfelds, das einen an das Alleinsein erinnert.

3. Laden Sie Gleichgesinnte ein

Laden Sie Freunde, Bekannte oder Nachbarn zu sich nach Hause ein. Wer sich in seinem Bekanntenkreis umhört, findet bestimmt Menschen, die an Heiligabend auch nicht allein sein wollen – oder die einen einladen, gemeinsam mit ihrer Familie zu feiern.

Für viel Aufmerksamkeit in den sozialen Netzwerken hat im letzten Jahr der Aufruf eines Berliner Rentners gesorgt. Der Mann hatte in einem Supermarkt ein Gesuch an das Schwarze Brett gepinnt und damit eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Er schrieb: „Wo findet einsamer Rentner, Witwer, im kleinen Kreis zu Weihnachten einen Platz zum Mitfeiern?“ Eine Frau entdeckte die Annonce, fotografierte sie und stellte sie ins Netz. Das Bild wurde viele Tausend Male geteilt, Dutzende Menschen haben den Witwer zu sich nach Hause eingeladen.

4. Verwöhnen Sie sich daheim

Nicht jeder mag an Heiligabend ein Konzert besuchen oder mit Freunden feiern. Da bleibt man lieber daheim und begeht Weihnachten besinnlich allein. Machen Sie etwas, das Ihnen guttut. Legen Sie eine Schallplatte mit ihrer Lieblingsmusik auf (oder hören Sie Ihre Lieblingsplaylist). Nehmen Sie ein Schaumbad und sehen Sie sich Ihren Lieblingsfilm an. Decken Sie Ihren Tisch festlich und kochen Sie Ihr Lieblingsgericht. Schreiben Sie einen Brief an Ihre Verwandten nach Übersee.

5. Seien Sie für andere da

Wer sich noch selber gut versorgen kann, könnte Kekse für ärmere Menschen backen und in einer Flüchtlingsunterkunft verteilen. Oder ziehen Sie sich ein Weihnachtsmannkostüm an, besuchen Sie eine Woche vor Weihnachten eine Kita und hören Sie sich die Wünsche der Kleinen an. Freuen Sie sich an Heiligabend über die schönen Eindrücke, die dieser Besuch Ihnen geschenkt hat.

Einsamkeit kann – bei Einhaltung der richtigen Voraussetzungen – auch durch Digitalisierung sehr wohl bekämpft werden. Es braucht Motivationsfaktoren, um ältere Menschen mit dem Thema Digitalisierung vertraut zu machen. Und es braucht die Einsicht der Familie, dass Digitalisierung nicht ersetzt, sondern auf analogen Kontakten aufbaut. Schenken Sie Ihren älteren Familienmitgliedern ein Tablet mit einer altersgerechten Software, die zum Austausch von Alltags-Highlights einlädt. Dann ist Oma weder an Heiligabend, noch an den übrigen 364 Tagen ‚allein‘.

 

Mit einer Idee, die sich in Großbritannien bereits bewährt hat, startete die Berlinerin Elke Schilling 2017: einer Hotline, bei der einsame Senioren rund um die Uhr einen Gesprächspartner erreichen. Von Heiligabend, 12.00 Uhr, durchgehend bis Neujahr, 12.00 Uhr, standen 2017 erstmals Ehrenamtliche des Projekts Silbernetz unter der Nummer 0800 4708090 bereit – das Feiertagstelefon war ein Testlauf, zunächst nur für Berliner Anrufer.

„Keine Frage zu groß, kein Problem zu klein. Kein Grund, damit allein zu sein“, lautet das Motto von Silbernetz. Schilling würde die Rufnummer gern dauerhaft betreiben und ausbauen. Derzeit gibt es die Kummernummer nur für Berlin-Brandenburg, hoffentlich bald auch bundesweit.

 

Weihnachten – ist kein Tag wie jeder andere

Heiligabend einfach ignorieren und den 24. Dezember wie einen gewöhnlichen Tag behandeln, ist eher keine gute Idee. Es ist besser, sich rechtzeitig Gedanken über die Bedürfnisse seiner Lieben und die eigenen Bedürfnisse an Weihnachten machen. Und dann zu überlegen, wie sich diese ‚in Harmonie‘ umsetzen lassen.

Um die Weihnachtsfeiertage so harmonisch wie möglich zu gestalten, braucht es ein Drehbuch. Welche Großeltern z.B. mit den Enkeln feiern dürfen, dafür gibt es kein Patentrezept. Vielleicht wollen Sie im einen Jahr Heiligabend mit den einen Großeltern, im anderen Jahr mit den anderen verbringen. Oder Sie feiern mit den Kindern allein und besuchen die Großeltern erst in den Tagen danach. Also sollten Sie das vorher mit den Kindern und den Großeltern besprechen. Auch der Ablauf des Heiligabend erfordert einen Ablauf, z.B. „Wir schauen uns die Geschenke an, aber singen noch vorher gemeinsam zwei Lieder. Oder lesen erst die Weihnachtsgeschichte vor.“

Weihnachten ist die ideale Zeit für Teenager, um zu rebellieren. Da bringen sie Eltern ganz leicht an ihre Grenzen. Aber Jugendliche haben auch andere Vorstellungen, wie sie das Fest feiern wollen – und das muss man vorher klären und nicht erst an Heiligabend. Stellen Sie sich vor, Sie baden gerade in Familienromantik und Ihr Spross sagt plötzlich: „Ich bin jetzt mal weg.“ Deshalb ist es so wichtig, dass alle den Ablauf kennen und alle bereit zu Kompromissen sind. Und wenn doch der Rebell durchbricht, sollten die Eltern versuchen, Humor zu bewahren.

Man sollte auch klären, welche Tradition Vorrang hat, z.B. welches Essen gekocht wird. Und ob sich mal jemand für eine Stunde absetzt, weil ihm der Kirchenbesuch im Gegensatz zum Rest der Familie wichtig ist – oder ob die anderen ihn vielleicht sogar begleiten wollen.

Es ist verständlich, dass die Großeltern ihre Enkel an Weihnachten erleben wollen. Das Fest hat ja mit Liebe zum anderen zu tun. Aber wenn es für Eltern so stressig wird, sodass der Sinn des Weihnachtsfestes verloren geht, sollten die Großeltern großzügig sein. Eine Lösung könnte sein, ein Treffen auf den Dreikönigstag zu verschieben und dann richtig gemütlich zu feiern.