Therapiepuppe im Einsatz gegen Demenz

„Ich habe meinem Vater gestern eine Puppe ins Heim gebracht. Obwohl er in Seitenlage im Bett lag, hat er mit beiden Händen danach gegriffen. Dann hat er gelächelt.“ So beschreibt Gabi H. die Situation, als sie ihrem Vater eine Therapiepuppe gab. Sie beschreibt enthusiastisch, dass die Idee einer Therapiepuppe für ihren Vater wie auch für sie emotional wie auch therapeutisch zur Erinnerungsarbeit eingesetzt ein Volltreffen war.

Kuscheln unlimited

„Dann habe ich ihn gefragt, wie wir die Puppe nennen sollen. Wie aus der Pistole geschossen kam ein Name, mit dem er uns Kinder damals immer rief, wenn wir ausgelassen herumgetollt sind und die Familie zum Lachen oder auf die Palme brachten. Mit der Therapiepuppe in der Hand sieht er so glücklich aus. Jetzt hat er etwas zum Kuscheln und lieb haben. Auch alte Menschen brauchen das. Es muss schlimm sein, in einem Körper gefangen zu sein, der nichts mehr macht wie früher.“ Gabi H. ist eine von vielen glücklichen Kunden von Therapiepuppen, die einem Elternteil Erinnerungen beschert und immer wieder einen glückseligen Blick aufs Gesicht zaubern.

Rosa H. erzählt: „Meine Mutter hat einen Plüschhund, mit dem sie immer einschläft und ich habe ähnliches auch bei anderen alten Menschen in dem Pflegewohnheim gesehen, in dem meine Mutter seit einigen Jahren lebt. Jeder Mensch sehnt sich nach Berührungen. Dafür ist man nie zu alt. Auch, wenn es nur ein Stofftier oder eine Puppe ist.“

Die Kraft der Puppen

Zunächst finden Angehörige von erwachsenen Pflegebedürftigen das Konzept von Therapiepuppen seltsam. Die Erfolge sprechen aber für sich. Viele Demenzkranke erinnern sich plötzlich an die Zeit, in der sie Eltern wurden oder glauben, dass sie selber noch im Kindesalter sind. Dann ähneln sie in ihrem Verhalten wie dem von Kindern.

Ersteres löst einen großen Beschützerinstinkt aus und sie haben das Bedürfnis, sich um jemanden zu kümmern. Bei letzterem brauchen sie ein Objekt zum Liebhaben und freuen sich über etwas, das sie tröstet. Viele der optisch realitätsnah gestalteten Therapiepuppen helfen dabei.

Durch die Puppen wird non-verbal kommuniziert

Patienten, die verbal nur noch schwer erreichbar sind, können mit den Puppen interagieren und kommunizieren. Vielen Personen, die in ihrer eigenen Welt versunken und kaum bis gar nicht mehr ansprechbar sind, wird dadurch die Möglichkeit gegeben sich auszudrücken und zu verständigen. Das erleichtert die Arbeit mit den Pflegebedürftigen in vielen Bereichen, sodass sich ihr allgemeiner Zustand auf oft bemerkenswerte Weise verbessert.

Insgesamt scheinen Patientinnen für die Puppen empfänglicher zur sein als Patienten. Dies ist vermutlich in der Mutterrolle der Frau begründet.

Der Nutzen der Puppen

Die Therapiepuppen können vielseitig im Umgang mit den Demenzkranken eingesetzt werden. So zum Beispiel bei der Bewegungstherapie oder beim Gedächtnistraining. Aber auch die tägliche Pflege kann durch die Puppen unterstützt werden.

Viele Patienten bauen eine Art Vertrauensverhältnis zu den Puppen auf und sehen sie als Freund, der ihnen zur Seite steht. So können sie beispielsweise auch bei der Pflegearbeit oder beim Bewegungstraining zur Mitwirkung motiviert werden, wenn die Puppe ein Teil dieses Vorgangs ist. Gerade bei schwierigen oder unangenehmen Behandlungsabläufen kann dies für Patient und Pfleger den Prozess erleichtern.

Sinnbringer und Stressfresser

Das Kümmern und im Arm halten beim Umgang mit den Puppen spricht viele Sinne an. Die Patienten werden auf einer emotionalen Ebene erreicht, die mit Worten nur noch bedingt oder gar nicht möglich ist. Dadurch entsteht ein Gefühl von Nähe und Geborgenheit. Ähnlich wie bei in der Pflege eingesetzten Tieren, ist zu beobachten, wie Demenzkranke auf emotionaler Ebene starke Reaktionen zeigen, wenn sie sich mit der Puppe beschäftigen. Die geweckten Emotionen äußern sich meist in Form von Freude, Begeisterung oder Neugier und derartige positive Gefühle wirken beispielsweise Stress entgegen.

Copyright: Joyk Therapiepuppe (links) und Kumquats Therapiepuppe (rechts)

Durch die Interaktion mit den Puppen und die dabei angesprochenen Sinne werden bei den Patienten die Wahrnehmung und die Aufmerksamkeit geschärft. Dies ermutigt und fördert die Aktivität des älteren Menschen.

Therapiepuppen schaffen Vertrauen

Viele Pflegefachkräfte stellen bei Verwendung von Therapiepuppen schnell fest, dass über die Puppe Vertrauen zu den Pflegebedürftigen aufgebaut werden kann. Die gewohnte Rolle zwischen Betreuungskraft und Patient werde aufgebrochen, ohne dass die Wertschätzung verloren gehe, berichten die Betreuungsfachkräfte.

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